Erdbestattung

Die Erdbestattung - Traditionen bürgerlicher Trauerkultur

Die nach der Reformation einsetzende Individualisierung des Todes hatte sich auch auf die Bestattungszeremonien der Erdbestattung ausgewirkt. Die auf ein individuelles Leben bezogene Leichenpredigt war zu einem wichtigen Element der Erdbestattung geworden.
Bestattungen im 18. Jahrhundert waren von der öffentlichen Entfaltung gesellschaftlichen Prunks gekennzeichnet. In der Art und Weise der Teilnahme am Begräbnis äußerte sich der jeweilige soziale Rang.
Nach 1750 kamen im Adel die so genannten »Nachtbeerdigungen« auf. Sie fanden als exklusiver Festakt im kleinen Kreis bei Dunkelheit statt, ohne dass sich an der luxuriösen Gestaltung etwas änderte.

Zunächst hatten auch aufklärerisch-bürgerliche Kreise die Gepflogenheit der Nachtbeerdigung übernommen, sie jedoch als »Stilles Begräbnis« ohne großen Aufwand praktiziert. An diesem Erdbegräbnis waren oft nur Leichenträger und Totengräber beteiligt, während sich die Trauernden häufig im Haus des Verstorbenen versammelten.
Aber schon bald verloren die Stillen Begräbnisse ihre Leitfunktion, da sie dem Prestigebedürfnis des Bürgertums nicht mehr genügten. Zugleich begannen sich jene Formen der Trauerkultur zu entfalten, die aus einer Mischung von christlichen Elementen, privater Emotionalität und gesellschaftlichem Prestigedenken bestanden.

 

Was hatte sich aber nun geändert?

Die Kritik am adligen Bestattungspomp war allmählich überformt worden vom Bedürfnis des städtischen Bürgertums, das gestiegene gesellschaftliche Prestige auch im Tod zu demonstrieren.
Nicht zufällig wurde die Rede am offenen Grab, in der das Leben des Verblichenen noch einmal gefeiert wurde, zu einem Phänomen, das im 19. Jahrhundert zu voller Blüte gelangte.

Tod und Trauer wurden damit zu bedeutenden Elementen einer neuen Kultur. Diese aufwändige Trauerkultur fand sich in den klassischen Orten der Trauer wieder: Das Haus des Verstorbenen mit Aufbahrungszimmer, die Kirche und die Grabstätte.

Der Bau der ersten Leichenhallen läutete eine Entwicklung ein, die den Umgang mit dem Leichnam einer bürokratischen Reglementierung unterwarf. Die Leichenhallen sollten die als bedenklich betrachtete Hausaufbahrung ablösen. Die staatliche Bürokratie bemächtigte sich so eines Bereiches, der bisher den Kirchen und den Privatfamilien vorbehalten geblieben war.

Ein ganz besonderes Element der Trauerkultur, wie sie sich im 19. Jahrhundert entfaltete, sind die Todesanzeigen in der Tagespresse. Auch sie sind bis heute ein klassisches öffentliches Medium der Trauer geblieben.

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